Burschenschaftlicher Abend zur Entstehungsgeschichte der Burschenschaften

Zum ersten Burschenschaftlichen Abend des Stuttgarter Deputierten Convents im Sommersemester hatte unsere Ghibellinia zum Thema „Technische und Universitätsburschenschaften im Kaiserreich – Anatomie eines schwierigen Verhältnisses“ den Waffenbruder Franz Egon Rode (Burschenschaft Allemannia Heidelberg) gewinnen können. Waffenbruder Rode promoviert derzeit an der historischen Fakultät der Universität Stuttgart bei Prof. Dr. Pyta, der in der Vergangenheit bereits über Bismarck und das Kaiserreich auf unserem Haus gesprochen hat.

Rode hatte seinen Vortrag in drei Teile untergliedert, die die chronologische Abfolge der Entwicklung der Burschenschaften von ihrer Entstehung über die Zeit vor der Reichsgründung 1871 bis hin zur frühen Nachkriegszeit nach dem Ersten Weltkrieg aufzeigte. Zu Beginn ging der Referent auf die unterschiedliche Entstehungsgeschichte der Burschenschaften ein. Im Gegensatz zu den akademischen Universitätsburschenschaften entstanden die Burschenschaften an den ehemals Technischen Hochschulen – wie auch am 1829 gegründeten Polytechnikum Stuttgart – erst im Zuge der Industrialisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Für die Aufnahme eines Studenten an einer Technischen Hochschule war das Abitur seinerzeit nicht zwingend erforderlich. Die Aufnahmekriterien der technischen Burschenschaften hinsichtlich schulischer Vorbildungen orientierten sich entsprechend daran.

Ausgehend von diesen unterschiedlichen Ursprüngen lehnten die Universitätsburschenschaften Aufnahmeanträge technischer Burschenschaften in ihren Dachverband immer wieder ab. Dies erstreckte sich auch über die Reichsgründung 1871 hinweg. Im Kaiserreich gab es schließlich erneut Bestrebungen seitens technischer Burschenschaften einen Zusammenschluss der beiden parallel existierenden Dachverbände herbeizuführen. Dies scheiterte jedoch erneut. Erst nach Ende des Ersten Weltkriegs kam es zur Fusion des Rüdesheimer Verbands Deutscher Burschenschaften (RVDB), dem Dachverband der technischen Burschenschaften, und der Deutschen Burschenschaft (DB). Zudem wurden die Korporationen der Burschenschaft der Ostmark (BdO), also die österreichischen Burschenschaften, in die Deutsche Burschenschaft aufgenommen, sodass sich der erweiterte Dachverband 1919 zum größten Korporationsverband in der Weimarer Republik entwickeln konnte.

Im Anschluss an den Vortrag gab Herr Verbandsbruder Rode den Anwesenden noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder Anmerkungen einzubringen, was auch von ein paar Anwesenden genutzt wurde. Abschließend überreichte der DC-Sprecher, Bundesbruder Toepsch, dem Redner noch ein Geschenk und bedankte sich für die interessanten Einblicke in die wahrlich ambivalente Entstehungsgeschichte der Burschenschaften in den deutschen Landen. Der Vortrag soll in der kommenden Ausgabe des ADB-Verbandsjournals „Der Burschenschafter“ abgedruckt werden.