Burschentag in Jena

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Burschentag 2017 war eine überaus gelungene Veranstaltung, an der sich alle teilnehmenden Ghibellinen – Aktive, Alte Herren und Gäste der Ghibellinia – erfreuten. Das von der Vorsitzenden, der Saarbrücker Burschenschaft Germania, erarbeitete ausgewogene und interessante Programm der Verbandstagung erstreckte sich vom Donnerstagnachmittag am 28. September bis hin zum Sonntagmittag am 1. Oktober. Die Stimmung unter den 27 ADB-Mitgliedsbünden, die allesamt Vertreter entsandt hatten, war sehr harmonisch und überaus respektvoll. Gerade im Vergleich zu den Burschentagen unmittelbar vor unserem Austritt aus der Deutschen Burschenschaft 2013 muss das konstruktive Arbeitsklima und das stets ehrenhafte Verhalten aller Verbandsbrüder untereinander hervorgehoben werden. Als ein kleiner Wermutstropfen darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die Veranstalter auf größere Beteiligung gehofft hatten. Dass die Teilnehmerzahl des letztjährigen Gründungsburschentags nicht ganz erreicht werden würde, war zwar allen klar. Dennoch spiegelt auch die Mannstärke unserer Ghibellinia die Diskrepanz zum letzten Jahr wider. Insofern kann man heute schon allen ADB-Burschenschaftern die Teilnahme am Burschentag 2018 nur empfehlen.

Für den Donnerstagnachmittag stand eine Kranzniederlegung am Burschenschaftsdenkmal in Eisenach auf dem Plan. Nach einer Begehung des Denkmals und einem erfrischenden thüringischen Bier im Berghotel direkt daneben fuhr unsere Ghibellinendelegation zum eigentlichen Tagungsort nach Jena weiter. Dort stand für den Abend das Totengedenken an der Grünen Tanne an – an dem Ort, wo 1815 die Urburschenschaft von Jenaer Studenten gegründet worden war. Die Grüne Tanne beherbergt im Erdgeschoss eine Kneipe und in den oberen Stockwerken die Verbindungsräume der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller. Dort ließen wir aktiven Ghibellinen anschließend den Anreisetag gemeinsam mit unseren Freundschaftsbrüdern der Aachener Burschenschaft Alania und weiteren Verbandsbrüdern ausklingen.

Der Freitagmorgen begann mit einem Frühsportprogramm: Unsere Bundesbrüder Lucas Weidinger Z!xx und Lukas Valet Z!xxx hatten sich für ein Fechtseminar angemeldet und wurden gemeinsam mit etwa 15 weiteren Verbandsbrüdern von Fechtmeister Betz, der in Hessen tätig ist, unterrichtet. Dabei ging Betz zu Beginn insbesondere auf die Technik und die Hintergründe des akademischen Fechtens ein. Er gab auch didaktische Ratschläge, die den Teilnehmern des Seminars die Vermittlung des Sports in der Paukstunde erleichtern sollen. Im Anschluss folgte dann der praktische Teil mit dem Contrapauken und Sekundieren jeweils zweier Fechter. Dabei konnten die beiden Ghibellinen auch über den Comment des Stuttgarter Waffenrings hinaus interessante Hiebe, Techniken und Taktiken erlernen und ihre Sicht auf das Mensurwesen erweitern. Unsere künftigen Paukanten auf dem Hauboden werden davon gewiss profitieren.

Die übrigen Ghibellinen versuchten sich derweil mit weiteren Verbandsbrüdern im Bowlingsport. Das Tagungshotel Fair Resort, in dem von Freitag bis Sonntag alle Veranstaltungen stattfanden, bot diesbezüglich eine Sportanlage mit mehreren Bahnen. In einem Wettkampf konnte unser Bundesbruder Fabian Mades Z! mit seiner Mannschaft immerhin einen dritten Platz erringen. Nachdem er das Fechtseminar ausgelassen hatte, da es ja bekanntlich bei einer Mensur keine Sieger geben kann, war dies immerhin ein erwähnenswerter Teilerfolg.

Der Nachmittag gestaltete sich dann in guter Burschenschaftertradition politisch. Die Vorsitzende hatte eine Podiumsdiskussion auf die Beine gestellt. Das Thema war die Aufarbeitung der Bundestagswahl, die noch keine Woche zurücklag. Leider nahmen lediglich die Vertreter der Parteien CDU, FDP und AfD teil. Die weiteren im Bundestag vertretenen Parteien waren zwar eingeladen gewesen, hatten aber im Vorfeld mit und ohne Begründung ihre Teilnahme abgesagt. Insofern dürfen wir Ghibellinen uns glücklich schätzen, dass unsere Podiumsdiskussion (wir berichteten im letzten Telegramm) von fünf Parteien getragen wurde.

Der gewählte Direktkandidat Jenas, Johannes Selle von der CDU, ging sehr ehrlich mit der im Plenum vorgetragenen Kritik an der Politik der Bundesregierung im Allgemeinen und der Politik der Bundeskanzlerin im Speziellen um. Er gestand Fehler insbesondere in der Flüchtlingspolitik und ihren Folgen ein und sprach sich klar für ein Überdenken der momentanen Regelungen aus.

Der Jenaer FDP-Kreisvorsitzende Thomas Nitzsche analysierte das Abschneiden seiner Partei mit einem Rückblick auf die letzten beiden Wahlgänge der Jahre 2009 und 2013. Der Grund für das desaströse Ergebnis der letzten Wahl im Jahre 2013 sei auf Fehler zurückzuführen gewesen, die in der schwarz-gelben Koalition zuvor gemacht worden waren. Diese Fehler seien allerdings fast ausschließlich der FDP angelastet worden, sodass eine Wählerwanderung von FDP zur CDU stattgefunden hatte. Diese verlorenen Wähler konnte seine Partei auch durch den auf ihren Vorsitzenden Christian Lindner zugeschnittenen Wahlkampf wieder zurückgewinnen und deutlich in das nationale Abgeordnetenhaus in Berlin einziehen. Für eine mögliche Koalition nun mit der CDU und den Grünen sieht er durchaus gute Chancen.

Komplettiert wurde die politische Runde durch Dr. Jens Dietrich, Mitglied des Landesvorstands der AFD Thüringen und Verbandsbruder der Burschenschaft Sigambria et Alemannia Siegen. Ursprünglich hatten die Veranstalter auf Marcus Pretzell gesetzt, der bereits seine Zusage zur Teilnahme an der Debatte gegeben hatte. Doch nachdem sich im Anschluss an die Bundestagswahl Frauke Petry sowie ihr Gatte Marcus Pretzell mit der AfD-Führung überworfen hatten, vertrat Dietrich spontan seine Partei. Er kündigte an, dass die AfD-Fraktion im Bundestag als drittstärkste Kraft ihre Oppositionsrolle nutzen wolle, um einerseits auf Versäumnisse und Fehler der letzten Jahre hinzuweisen und andererseits den enttäuschten Wählern eine Stimme im Bundestag zu geben.

Nach der Podiumsdiskussion konnten sich die Burschenschafter nur kurz ins Hotel zurückziehen, da bereits um 20 Uhr der Festball mit Galadinner stattfinden sollte. Im festlich geschmückten Saal wurde am Abend mit dem Orchester Franz L. stilvoll gefeiert und getanzt. Das Hotel Fair Resort sorgte für ein reichhaltiges und prächtiges Buffet, sodass alle Teilnehmer des Balls voll auf ihre Kosten kamen. Außerdem stießen weitere Ghibellinen zur Festgesellschaft, sodass ein großer Tisch mit Bundesbrüdern und Gästen voll belegt werden konnte.

Nach den sportlichen, politischen und gesellschaftlichen Programmpunkten am Freitag folgten samstags die Verhandlungen des Aktivenconvents und des Generalconvents. An diesen Conventen gesellten sich auch drei unserer Bundesbrüder der Braunschweiger Alemannia zu uns. Die Debatten und Beschlüsse der Verhandlungen sind im Einzelnen den entsprechenden Protokollen zu entnehmen und auf Nachfrage intern bei unserem Schriftwart erhältlich.

Der Samstagabend hielt mit dem Festkommers schließlich einen weiteren Höhepunkt bereit. Dabei chargierten unsere Bundesbrüder Vincent Krein Z!x, Jonas Kratschmann Z!FM und Lukas Valet Z!xxx im gut gefüllten Präsidium. Als Festredner konnte der ADB-Sprecher Matthias Sambale seinen Saarbrücker Bundesbruder Gerhard Schindler, Präsident des Bundesnachrichtendiensts von 2012 bis 2016, ankündigen. In einer interessanten halbstündigen Rede ging Verbandsbruder Schindler auf die Gefahren ein, die in diesen Zeiten unsere Demokratie sowohl von innen als auch von außen bedrohen. Natürlich konnte er keine Interna des Auslandsgeheimdienstes preisgeben. Dennoch erfordern die Umstände, mit denen sich der BND tagtäglich auseinanderzusetzen hat, immer wieder neue Herangehensweisen und Gefahrenabschätzungen. Nachdem unter anderem auch mit dem von den Saarbrücker Germanen gewünschten Cantus „Deutsch ist die Saar“ die Lieder des Abends verklungen waren, endete der Abend im Kreise von Verbands-, Freundschafts- und Bundesbrüdern. Erwähnenswert bleibt außerdem, dass neben anderen Nicht-ADB-Bünden auch die Burschenschaft Hohenheimia vier ihrer Bundesbrüder zum Festkommers entsendet hatte, die durchaus ein Interesse an dem neuen Dachverband durchblicken ließen.

Der Sonntag, offizieller Beginn des Wintersemesters, hielt als feierlichen Abschluss einen Festakt mit dem Titel „200 Jahre Wartburgfest“ für die Burschentagsbesucher bereit. Den musikalischen Rahmen bildete ein Streichquartett. Als Redner des Festaktes trat Dr. Gerd Fesser ans Pult. Der pensionierte Geschichtswissenschaftler lehrte einst am Historischen Institut der Jenaer Universität und ist Autor zahlreicher Bücher über die Befreiungskriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In detaillierten Schilderungen gab er einen Überblick über die Entstehung des Nationalbewusstseins der Deutschen im Zuge der Befreiung von der napoleonischen Fremdherrschaft. Das anschließende Aufbegehren der Burschen gegen die Restauration durch den Wiener Kongress sollte schließlich zum Wartburgfest am 18. Oktober 1817 führen. Auch wenn ein jeder Bundesbruder bei seiner Fuxen- und Burschenprüfung über die Deutsche Geschichte sehr gute Kenntnisse nachzuweisen hat, konnte er bei Fessers Ausführungen dennoch neue Informationen zu den historischen Gegebenheiten in Erfahrung bringen.

Nach der Festrede Fessers folgte eine kurze Ansprache des designierten ADB-Sprechers, Verbandsbruders Junker, in der er detailliert auf das geplante Konzept des Vorsitzes seines Bundes, der Aachener Burschenschaft Teutonia, im kommenden Geschäftsjahr vorausblickte. Des Weiteren erlaubte er sich stellvertretend für alle Mitgliedsbünde lobende Worte an die derzeitige Vorsitzmannschaft der Saarbrücker Germanen zu richten, die diese Mammutveranstaltung des Burschentags 2017 organisiert hatte. Die Corona stimmte den Worten mit lautstarkem Beifall zu. Schließlich schloss Verbandsbruder Sambale den Burschentag und bedankte sich bei den anwesenden Bünden für ein konstruktives, harmonisches und zukunftsweisendes Wochenende für unseren jungen Verband.