Ein früher Vater des Wirtschaftswunders

Der Geburtstag unseres Bundesbruders Wilhelm Haspel jährt sich am Sonntag, den 29. April 2018, zum 120. Mal. Aus diesem Grund wollen wir an seine Persönlichkeit, sein Wirken und sein bemerkenswertes Engagement erinnern.

Oktober 1945: Auf Anordnung der amerikanischen Besatzungsbehörden wird der Ingenieur Dr. Wilhelm Haspel als Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG nach dreijähriger Amtszeit entlassen. Auf ihn wartet die Entnazifizierungskommission. Nachdem er als „unbelastet“ eingestuft wurde – Haspel war kein NSDAP-Mitglied gewesen und seine Frau ist Halbjüdin –, kann er seinen Posten als Daimler-Benz-Chef wieder aufnehmen. Ein großer Glücksfall für das Unternehmen. Denn bereits im Krieg hatte Haspel, die unübersehbar drohende Kriegsniederlage erkennend, den Konzern auf eine Fortführung der Produktion in der Nachkriegszeit vorbereitet. Für die anstehenden Friedenszeiten wurden so Metalle und Bleche in großen Mengen eingelagert. Zudem trieb der leitende Ingenieur noch kurz vor der Kapitulation etwa 250 Millionen Reichsmark an Außenständen ein. Dieses Geld diente schließlich der Trümmerbeseitigung und der Erneuerung des Maschinenparks. Außerdem hatte Haspel bereits im Frühjahr 1944 eine „Wirtschaftspolitische Abteilung“ ins Leben gerufen. Dieser Stab bestand zu großen Teilen aus von den Nationalsozialisten verfolgten leitenden Angestellten, die eine Art Schattenvorstand für die Nachkriegszeit bildeten.

Daimler-Benz-Werk 1945 von Kriegsschäden gezeichnet
LKW-Montage im Werk Mannheim in den 50er Jahren

Die Vision Haspels vom Oktober 1945, nämlich dass Daimler-Benz nach dem Krieg binnen kürzester Zeit wieder produzieren könne, wurde somit entgegen der Auffassung vieler Beobachter Realität. Statt einer Enteignung oder Zerschlagung der Aktiengesellschaft konnte diese fortbestehen und neue, dringend benötigte Kraftfahrzeuge produzieren. Darüber hinaus beschäftigte der Konzern bereits 1955 wieder über 48000 Mitarbeiter und generierte einen Umsatz von etwa 1,5 Milliarden D-Mark. Die Automobilindustrie versinnbildlichte in diesen Tagen das deutsche Wirtschaftswunder. Doch die Hochzeiten der Konjunktur erlebte Haspel leider nicht mehr. Im Januar 1952 stirbt er im Alter von nur 53 Jahren an einer Hirnblutung.

 

Zur Person

Wilhelm Haspel (*29.04.1898, +06.01.1952)

1918: Aufnahme Maschinenbaustudium und Eintritt in die Ghibellinia

1924: Mitarbeiter der Daimler-Motoren-Gesellschaft

1926: Promotion

1927: Leitung des Daimler-Benz-Werks in Sindelfingen

1936: Stellvertretendes Vorstandsmitglied

1941: Ordentliches Vorstandsmitglied

1942: Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG