Fechten

Zunächst war das Fechten ausschließlich dem Adelsstand vorbehalten, seit dem 16. Jahrhundert durften dann auch Studenten unter Anweisung eines Lehrmeisters fechten und eine Waffe führen. Noch bis in das 19. Jahrhundert diente es der Selbstverteidigung. Erst später wurde es zur Fechtkunst und zum Sport. Das akademische Fechten ist ein Privileg und eine Tradition, die die Burschenschaft Ghibellinia seit etwa 150 Jahren pflegt.

Der Grundsatz ist allerdings bis heute gleich geblieben: Fechten ist wie ein Dialog. So wie bei einer Diskussion muss man ebenfalls auf das Argument des anderen eingehen, bevor man es geschickt und planvoll erwidert. Es sind Geistes- und Körpergewandtheit erforderlich, Konzentration und Standfestigkeit. Körper und Geist müssen interagieren. Fechten ist eine Mischung aus Sport und Kunst, aus Spiel und Ernst. Es vereint Geistesgegenwärtigkeit, Mut, Ausdauer, Geschicklichkeit, Fairness, und das Einhalten von Regeln auf sportliche Weise.

Die Mensur - so wird sowohl das Gefecht im allgemeinen als auch der Abstand zwischen den Akteuren bezeichnet - ist kein Duell. Sie ist kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Ihr Ziel ist nicht der Kampf oder das Verletzen des Gegenüber, sondern die Herausforderung für einen selbst. Das Fechten verbindet, weil alle Bundesbrüder eine Mensur geschlagen und überstanden haben oder auf dem Wege sind, dies zu tun. Es ist sozusagen identitätsstiftend.

Jeder muss selber seinen Mann stehen, wird aber durch die Bundesbrüder in der Vorbereitung und während seiner Mensur nach Kräften unterstützt. Unabhängig von den Voraussetzungen fangen alle jungen Bundesbrüder auf dem gleichen Niveau an und erlangen mit Übung und Willen die Tauglichkeit zur Mensur durch regelmäßiges, gemeinsames Training mit einem routinierten Fechtmeister.

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