Ihr Bundesbrüderlein kommet

Die Weihnachtsfeierlichkeiten 2016

Im sehr gut gefüllten großen Saal konnte unser Aktivensprecher Simon Grosser am Freitagabend über 70 Bundesbrüder und einige Gäste auf dem Ghibellinenhaus zur Weihnachtskneipe begrüßen. Nachdem die beiden ersten Cantus verklungen und alle Anwesenden begrüßt waren, wurde das Wort an den Festredner Dr. Hartmut Jericke wf-2übergeben. In seinem mit Deutschland allein zuhaus' übertitelten Vortrag bot Jericke zunächst einen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung der Gläubigkeit der Deutschen. Diese bezog er anfangs auf die tiefe Verwurzelung in der römisch-katholischen Kirche des Mittelalters und ging anschließend auf die Reformation unter Luther und die konfessionelle Spaltung Europas ein. Die dem religiösen Diktat entgegenwirkende Aufklärung und das im 19. Jahrhundert aufkommende nationale Bewusstsein prägten die Gläubigkeit der Bevölkerung in den deutschen Landen wiederum auf eine neue Art und Weise. Die Gläubigkeit beschränkte sich nun nicht mehr allein auf Religiosität. Das aufgekeimte Nationalgefühl wandelte sich nach Jericke zur Ersatzreligion und uferte im Militarismus des Kaiserreichs und im Faschismus des dritten Reichs aus. Auch im Anschluss an den verlorenen zweiten Weltkrieg bot die sozialistisch ausgerichtete DDR mit dem paradiesisch anmutenden und im Diesseits verorteten Heilsversprechen eines realisierten Kommunismus einen Ersatz für die einstmalige kirchliche Religiosität. Schließlich stellte Jericke fest, dass die Versuche der Etablierung von politischen Ersatzreligionen auf deutschem Boden immer gescheitert ist. Außerdem provozierte er am Ende seiner Ausführungen damit, dass er Parallelen ebensolcher heilsversprechender Unrechtsregime mit der heutigen Bundesrepublik zog, indem er Bundeskanzlerin Merkel ihre vorgebliche alternativlose Politik vorwarf. Politik könne demnach niemals als alternativlos bezeichnet werden, wenn sie sich den Anstrich rechtsstaatlicher und demokratischer Grundsätze geben möchte - so Jerickes Schluss.

Die Corona bedankte sich bei Herrn Dr. Jericke für seine Ausführungen mit Beifall und der Sprecher überreichte dem Festredner ein Geschenk. Außerdem lud er die Corona zu einem Imbiss im Anschluss an das Offiz ein. Doch zuvor entzündeten die Füxe noch die Kerzen am prächtig geschmückten Tannenbaum, während passenderweise der Cantus O Tannenbaum versungen wurde. Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Verleihung eines Ehrenbandes der Altherrenschaft durch Ihren Sprecher, Bundesbruder Mahr, an Bundesbruder Steinhart. Dieser hatte in den vergangenen Jahren und insbesondere im vergangenen Herbst großes Engagement bei der Unterstützung der Gründung unseres neuen Dachverbands ADB gezeigt und damit auch die Reputation unseres ganzen Bundes gesteigert. Auch hier beglückwünschte die Corona den neuen Ehrenbandträger mit Beifallsbekundungen.

Nach dem Imbiss wurde das Inoffiz von Bundesbruder Römer geleitet. Die Fuxia hatte eine Mimik vorbereitet, in der sie unseren lieben Alten Herrn Steinhart einband. Der Ulk befasste sich mit einem Gerichtsverfahren, in dessen Verlauf alle Charaktere außer dem Richter jeweils nur einen einzigen Satz oder Wort wiederholten. Die übrigen Kneipgäste wurden gut unterhalten, sodass anschließend auch die Fuxensau gut genährt aus der Kneipe hervorging. Nach weiteren Kneipgesängen und dem mittlerweile obligatorischen Mitternachtsschrei von Bundesbruder Müller VI schloss Bundesbruder Römer das Inoffiz und damit auch die offizielle Veranstaltung des Freitagabends.

Der Samstagmorgen, an dem der eine oder andere Aktive seine Bundesbrüder nur durch kleine Augen erblickte, begann um 10 Uhr mit dem ersten Mensurtag des Wintersemesters auf dem Haus der Burschenschaft Hilaritas. Vier Füxe, vier Burschen und zwei Gäste fuhren in die Stafflenbergstraße und wurden vier Mensuren gewahr, an denen die Ghibellinia jedoch nicht beteiligt war. Von ordentlichen bis unerfreulichen Fechtleistungen bot sich ein ganzes Spektrum dar, sodass die Füxe einige wichtige Erfahrungen sammeln und die Fechtphilosophien der einzelnen Bünde einordnen konnten.

Die Mittagszeit und den Nachmittag nutzte die Aktivitas dann zum Schmücken der Veranstaltungsräume für das Weihnachtsfamilienfest am Abend. Auch der Samstagabend fand wohlwollenden Anklang. Über 80 Bundesschwestern, Bundesbrüder, Familienangehörige und Gäste hatten den Weg in die Birkenwaldstraße 40 gefunden. Darunter unter anderem drei Damen der ADV Olympea Tübingen, die Familien dreier junger Füxe und unser ältester Bundesbruder, Alter Herr Kurt Weiß. Dieser - im kommenden März wird er seinen 98. Geburtstag feiern - hatte einmal mehr den langen Weg aus Bremen mit dem Auto auf sich genommen. Nach der Begrüßung und der Eröffnung des Abends durch die Sprecher der Altherrenschaft und der Aktivitas gab Frau Alicja Oktabska ein kleines Klavierkonzert zum Besten. Die anspruchsvollen Stücke wurde von der Pianistin erstklassig dargeboten und sorgten für Beifall durch die Gäste. Der nächste Programmpunkt war die alljährliche Weihnachtsgeschichte, die unser Alter Herr Heinrich ausgesucht hatte und vortrug. Auch dieser Vortrag fand in der Festgesellschaft regen Anklang und wurde mit Applaus bedacht.

Schließlich eröffnete unser Alter Herr Mahr das Buffet, das erneut von der Gourmet Compagnie hervorragend zusammengestellt und zubereitet worden war. Jeder Anwesende kam kulinarisch auf seine Kosten, von den Vorspeisen über eine Auswahl an Hauptgerichten bis hin zum Dessert. Nach dem Buffet betrat der Weihnachtsmann den Saal, dessen Stimme verdächtige Ähnlichkeit mit der von Bundesbruder Häussermann II aufwies. Er erkundigte sich bei den jungen und schon etwas erfahreneren Füxen über deren Herkunft, ihre Studiengänge und die Erfahrungen bei der Ghibellinia und bescheinigte ihnen schließlich allen, dass sie sich "sehr vernünftig" verhalten haben. Woher der Weihnachtsmann allerdings seine offenbar exklusiven Informationen über die Fuxia bezieht, ist bis dato unbekannt. Sehr vernünftig verhielten sich die Füxe jedoch in der Tat, als sie den anwesenden Damen im Saal rote Rosen überreichten.

Mit der obligatorischen Fuxentombola und einer Fotopräsentation mit Bildern des vergangenen Aktivenjahrs klang der offizielle Teil des Weihnachtsfamilienfests aus. An den festlich gedeckten Tischen unterhielt man sich allerdings noch teilweise bis in die frühen Morgenstunden. Und in der kleinen Kneipe hatte die Aktivitas das Büffet gegen eine Musikanlage und einen Cocktailstand ausgetauscht, sodass hier die Jugend noch länger tanzte und feierte.

Den Sonntagmorgen nutzten die Aktiven dann, um ein wenig Schlaf nachzuholen. Am späten Nachmittag stand abschließend noch der Besuch des Stuttgarter Weihnachtsmarkts an. Zwei Burschen und vier Füxe ließen es sich nicht nehmen, die Weihnachtsfeierlichkeiten mit dem einen oder anderen Heißgetränk ausklingen zu lassen.