Reisebericht: Chile & 90. Stiftungsfest der B! Andinia

Am 10. September machten sich unsere Bundesbrüder Julian Winkelhofer, Jonas Kratschmann, Alexander Römer und Lutz Fischer auf den langen Weg nach Chile anlässlich des 90. Stiftungsfestes unseres lieben Freundschaftsbundes, der Burschenschaft Andinia zu Santiago de Chile. Damit verbanden wir gleichzeitig auch eine kleine Rundreise durch den Süden des Landes.

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Der erste Abend auf dem Andinenhaus

Nach unserer gut 20 Stunden dauernden Reise über Madrid wurden wir am Flughafen von unserem Freundschaftbruder Matias Molina, der auch schon länger bei uns auf dem Haus gewohnt hat, abgeholt. Auf dem Andinenhaus angekommen, warteten bereits einige bekannte Gesichter auf uns mit reichlich Fleisch auf dem Grill und Bier.

Andinenhaus
Andinenhaus

Bereits am nächsten Tag machten wir uns mit unserem Mietwagen Richtung Süden auf. Auf der Panamericana ging es durch weite Obstplantagen nach Concepción. Dort konnten wir bei der Burschenschaft Montania übernachten. Wir mussten leider feststellen, dass chilenische Städte nicht besonders attraktiv sind.

Den Gegensatz dazu bildet die Landschaft, die wir in den folgenden Tagen entdeckten. Von Curacautin aus entdeckten wir die Andenkordeillieren, fuhren über größtenteils Schotterpisten durch Nationalparks in vulkanischem Sperrgebiet um den Vulkan Llaima, erlebten unterschiedlichste Vegetationen, kosteten chilenische Spezialitäten und genossen natürlich auch die heißen Vulkanquellen.

Vulkan Llaima
Vulkan Llaima

Das war auch unbedingt nötig, denn je weiter man nach Süden kommt, desto mehr basiert das Leben der Chilenen auf dem Rohstoff Holz und erstaunlicherweise wird Mitte September (Chilenischer Frühling) nicht mehr geheizt. In den Holzhäusern kann es dann nachts empfindlich kalt werden, was unter anderem auch Auswirkungen auf die morgendliche Dusche haben kann.

Auf dem weiteren Weg nach Süden mussten wir natürlich die südlichste Burschenschaft der Welt besuchen. Auch bei der Burschenschaft Vulkania in Valdivia waren wir herzlich willkommen und konnten am selben Abend sogleich die Trinkfreudigkeit des chilenischen Südens kennenlernen. Es gefiel uns so gut, dass wir auch noch eine zweite Nacht in Valdivia verbrachten. Die Stadt zählt zu den schönsten chilenischen Städten mit ihren Villen an der Langen Bucht, dem Markt unmittelbar am Wasser und der nahen Pazifikküste.

Von Valdivia zog es uns wieder in Richtung Südosten in die Anden. Von dem deutlich von deutschen Einflüssen geprägten Touristenstädtchen Puerto Varas erkundeten wir den malerischen Lago Llanquihue und den allgegenwertigen Vulkan Osorno. Die Schneebedeckten Gipfel der Anden erstreckten sich ringsum und bis zur argentinischen Grenze war es auch nicht weit. Am ersten Abend konnten wir auf einer typischen Feier anlässlich des 18. September, dem Nationalfeiertag Chiles, chilenische Volkstänze, Musik und typische Spezialitäten erleben. Nachdem wir in Osorno am Vormittag noch gutes Wetter hatten, wurde es am Nationalfeiertag ein wenig ungemütlicher. Am Abend konnten wir in Puerto Montt aber trotzdem trockenen Fußes über ein Volksfest anlässlich des Nationalfeiertages schlendern.

Am darauffolgenden Montag setzten wir unseren Weg nach Süden fort. Gerade einmal eine halbe Stunde dauert die Überfahrt mit der Fähre auf die zweitgrößte Insel Südamerikas, die Isla de Chiloé. Im Volksmund nur Chiloé genannt, unterscheidet sich die Insel doch deutlich vom Festland. Die Zeit scheint ein wenig stehen geblieben zu sein. Die Insel ist zu großen Teilen unerschlossen und von Fischerei und Landwirtschaft dominiert. Hier kann man die Natur noch hautnah erleben. Über verwinkelte Straßen und eine fast knietiefe Flussfurt, die in Chile natürlich auch von Reisebussen befahren wird, gelangten wir zu den Pinguinfelsen. Am Abend erreichten wir Castro, die Hauptstadt Chiloés. Die Stadt mit ihren teilweise auf Stelzen stehenden Häusern fügt sich an die Berghänge. Aufgrund des anhaltend schlechten Wetters entschlossen wir uns am nächsten Morgen die Rückreise in das sommerliche Santiago anzutreten, hatten wir von der 7 Millionen-Einwohner-Stadt doch noch nichts gesehen. Für die ca. 1200 km brauchten wir 13 Stunden auf der Panamericana, die bis auf einige Stadtautobahnen die einzige Autobahn in Chile ist.

Den folgenden Mittwoch verbrachten wir in der stark von Marine und Künstlern geprägten Küstenstadt Valparaiso mit ihren alten Schrägaufzügen und bemalten Hauswänden. Die Nacht verbrachten wir wiederum bei einer der fünf Chilenischen Burschenschaften. Auch die Burschenschaft Ripuaria in der unmittelbaren Nachbarstadt Viña del Mar hieß uns herzlich willkommen. Hier konnten wir auch die meiner Meinung nach besten Empanadas essen. Sie sind neben Lomo a lo Pobre und dem Pisco ein typisches Nationalgericht Chiles.

Schrägaufzug in ValparaisoWieder in Santiago angekommen fuhren wir auf den „Hausberg“ Santiagos, den Cerro San Cristobal. Hier bekommt man einen sehr guten Überblick über die Stadt und steht sogar höher als in dem weithin sichtbaren Gran Torre Santiago, mit 300 Metern das höchste Gebäude Südamerikas. In der Stadt selbst dominieren prachtvolle, aber leider vielerorts auch heruntergekommene Gebäude und breite Stadtautobahnen das Bild. Je weiter man nach außen kommt, umso schlechter werden die Straßen und umso ärmlicher werden die Verhältnisse.

dsc_0420Mit dem Festkommers am Freitagabend begann nun der eigentliche Grund für unsere Reise, das 90. Stiftungsfest. Die riesige Feier in einem Hotel wurde von über 10 verschiedenen Verbindungen besucht. Wir waren nicht die einzigen aus Deutschland gekommenen Burschen. Einige Weitere verbanden eine Chilereise mit dem Stiftungsfest der Andinia und dem zwei Wochen späteren runden Stiftungsfest der Burschenschaft Araucania zu Santiago de Chile, zu dem wir leider nicht mehr bleiben konnten. Natürlich wird der gesamte Kommers auf Deutsch gehalten und die Kneipdisziplin ist in Chile auch eine andere. Als Gastgeschenk haben wir unseren Freundschaftbrüdern einen Prunkschläger in ihren Farben überreicht, über den sich die Andinos besonders freuten. Vor allem weil man in Chile, wo die Mensur verboten ist,  doch nur sehr schwer an Fechtmaterial, insbesondere an Schläger kommt. Auseinandergebaut und gut eingepackt schien das aber bei unserer Einreise glücklicherweise niemanden zu interessieren, trotz Einfuhrkontrollen.

Am nächsten Morgen sollte unser Bundesbruder Simon Grosser ebenfalls in Santiago ankommen. Er konnte aufgrund seiner Prüfungssituation erst später anreisen und macht eine eigene kleine Tour. Wir trafen uns am Abend zum Großen Festball des Stiftungsfestes. Unter den Gästen waren nun auch die drei Mädchenschaften Chiles, die ebenfalls die deutschen Traditionen und die Sprache pflegen. Der Ball verwandelte sich schnell zu einer großen Party und dauerte bis früh in die Morgenstunden. Das hielt uns aber auch nicht ab, angesichts unseres frühen Rückfluges nach Deutschland am nächsten Mittag, den Anlass gebührend mit unseren Freunden zu feiern.

Nach 30 anstrengenden Stunden, mit einer Stadtführung durch Madrid, kamen wir am Montagabend dann wieder in Stuttgart an.

Zum Schluss bleibt mir nur noch, mich bei allen Alten Herren, die unsere Reise so sehr unterstützt haben schon mal auf diesem Weg zu bedanken.

Lutz Fischer