Tabakkollegium wie beim Alten Fritz

Erstmals nach fünf Jahren fand am Mittwoch, dem 12. Juli, wieder ein Tabakkollegium von Herrn Klaus Hölters auf dem Ghibellinenhaus statt. Der Einladung waren neben einigen Waffenbrüdern der Burschenschaften Arminia und Ulmia und der Turnerschaft Altwürttemberg auch mehrere Bundesbrüder gefolgt.

Begrüßt wurden die Teilnehmer durch die Vorstellung der Person des Herrn Hölters einerseits und durch ein Sammelsurium an Utensilien und Unterlagen andererseits. Hölters schreibt für Tabakzeitschriften und geht schon seit vielen Jahren von Verbindungshaus zu Verbindungshaus, um alles rund ums Pfeiferauchen zu unterrichten. Dabei nutzte er anfangs das mittlerweile eingestellte Internetportal „Tradition mit Zukuft”. Seit kurzem hat er sein Angebot auch auf Zigarren ausgeweitet und in diesem Sommersemester überstieg die Zahl jener sogar die der Kollegien zu Pfeifentabak. Die Sammlung an Dingen, die bereits wohlplatziert auf dem Tisch auf seine Abnehmer warteten, bestanden aus Säuberungsdrähten, einigen Aktivkohlefiltern, einem Pfeifenbesteck und einem Pfeifenhalter, sowie zahlreichen Informationsunterlagen.

Die gebotene Auswahl an Tabaken war gigantisch. Auswählen konnte man zwischen mehr als 15 verschiedenen Sorten, die abgesehen von Tabaken mit besonderer Stärke alles erdenkliche an Aromen und Sorten abdeckten. Darunter befanden sich beispielsweise Sorten wie das aromatische Exotic Passion mit „saftig-süßen Orangen, vollreifer Flugmango, exotischer Passionsfrucht und einem Hauch Ahornsirup”. Für den milderen Geschmack sorgte der weltweit am meisten gerauchte Tabak Mixture Scottish Blend. Und Original Choice empfahl sich aufgrund seiner guten Abbrandeigenschaften für neue Pfeifenraucher. Die Stärke wird bei Pfeifentabak von 1 bis 5 - von schwach bis stark angegeben, von denen wir allerdings nur die ersten drei Stärken zu probieren hatten. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den fünf verschiedenen Arten englisch (rauchige Note, kein Top-Flavour), virginia, schottisch (mit Flavour), dänisch klassisch und dänisch aromatisch. Des Weiteren unterscheidet man zwischen naturreinem und aromatisiertem Tabak.

Auch in der Machart gibt es Unterschiede, wie zum Beispiel der Ansatz von Flakes zeigt. Flakes sind vorgepresste, kleine rechteckige Tabakmatten, die man durch simples Aufrollen in die Pfeife legen kann. Von Cavendish spricht man, wenn der Tabak mehrere Male erhitzt und unter Druck gepresst wird. Casing schließlich beschreibt den Vorgang der Veredelung, bei dem in einer rotierenden Trommel Saucen aufgesprüht werden. Es dient als Schutz vor Schimmel und neben einer natürlichen Grundaromatisierung macht es den Tabak aufnahmefähiger für Aromen.

Neben dem geschmacklich fachlichen Angebot verwöhnte Herr Hölters die Teilnehmer aber auch mit allerlei geschichtlichen Hintergründen, Anekdoten und schnippischen Zwischenbemerkungen. So ist die Auswahl des Materials natürlich eine Wissenschaft für sich. Angefangen von Maispfeifen, die recht schnell durchbrennen und in größeren Mengen verbraucht werden, über gut geeignetes Bruyère Holz (Wurzelholz der Baumheide) und sogar noch besser geeignete Mooreiche bis hin zum absoluten Favoriten aus Meerschaum, welches allerdings etwas zerbrechlicher ist.

Auch der dazu passende flüssige Genuss hat nicht gefehlt - im Gegenteil: Mit der Auswahl zwischen irischem Cremelikör, mexikanischem Rum und preisgekröntem schwedischem Vodka kam kein Feinschmecker zu kurz.

Im Laufe des Kurses konnte sich jeder Teilnehmer schließlich seine eigene Pfeife auswählen - ob mit glatter oder rauer Oberfläche, mit geradem oder gebogenem Mundstück und welche Farbe die Pfeife haben sollte, war dabei ganz den persönlichen Geschmäckern überlassen. Und so nahm der Abend seinen Lauf mit einer ganz eigenen gemütlichen Dynamik. Man beschäftigte sich mit dem Aussuchen, Stopfen und schließlich Rauchen des Lieblingstabaks und unterhielt sich derweil über die verschiedenen Vorlieben bei Pfeifen und Getränken. Herr Hölters half bei Startschwierigkeiten mit Tipps, gutem Rat und Hinweisen zu häufigen Fehlern. So geht die Pfeife nur aus, wenn sie zu locker gestopft ist, niemals aber weil sie etwa zu fest gestopft sei. Nebenbei ließ uns Herr Hölters noch allerlei Praktisches zur Pfeifenpflege wissen und erzählte von verschiedenen Möglichkeiten, den Tabak länger feucht zu halten.

Beeindruckend war auch ein besonderes Pfeifenexemplar, das Herr Hölters mitgebracht hatte: ein „Giant”. Die Pfeife in der Größe eines Faustballs ging durch die Hände der Teilnehmer und wurde abgewogen und interessiert beäugt. Nach einigen fröhlichen Stunden des Beisammenseins neigte sich der Abend mit Herrn Hölters dem Ende zu. Er hinterließ rundum zufriedene Teilnehmer und zum Abschluss bekam man dann noch drei unangebrochene Tabaksorten - zusammen mit der Pfeife ein perfektes, brauchbares Souvenir von einem Seminar, an das man sich gerne zurück erinnert.