Von bedrohten Insekten und vergessenen Dichtern

Zu einem besonderen Stammtisch hatte unser Aktivensprecher am 8. August auf das Ghibellinenhaus eingeladen. Denn ein besonderer Gast war für diesen Dienstagabend angekündigt worden, namentlich Hartmut Deckert, Sohn unseres vor knapp 20 Jahren verstorbenen Alten Herrn Alfred „Affi” Deckert. Zu diesem Anlass lagen auf den Tischen die Kriegstagebücher unseres Bundesbruders Deckert aus.

Nach einer kurzen Vorstellung seiner Person war es für Hartmut Deckert eine Herzensangelegenheit auf die Wichtigkeit unserer Insektenwelt hinzuweisen. Dem begeisterten Naturfreund, der nach eigener Bekundung und dem Urteil unseres Bundesbruders Hubert Grosser einen sehr großen und artenreichen Garten an seinem Haus in Kleinaspach sein Eigen nennt, ist das Verschwinden und der Rückzug diverser Insektenarten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht verborgen geblieben. Dies führt er auf den verstärkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Agrarwirtschaft und der Monokultivierung der Saatfelder zurück. Deckerts Credo lautet daher, dass jede Privatperson für sich im Kleinen dieser Entwicklung entgegentreten solle, indem sie auf eine reichhaltige Auswahl an Pflanzen setzen möge. Auf die große Politik, die seiner Meinung nach die Tragweite des Insektensterbens nicht sieht und nur vage und unverbindliche Stellungnahmen dazu abgibt, möchte er sich nicht verlassen. In bestimmten Regionen der Erde müsse man bereits per Hand Früchte bestäuben, da die Insekten dort nicht mehr beheimatet seien.

Dieser kurze Vortrag bewog dann auch einige Alte Herren des Stammtischs, sich für eine renaturierende Maßnahme auf dem Grundstück unserer Hütte in Traifelberg stark zu machen. Herr Deckert bot seine Unterstützung an und verwies auf Expertisen des Naturschutzbundes.

Das zweite, mindestens genauso interessante Thema, über das Herr Deckert anschließend in gemütlicher Stammtischrunde plauderte, bezog sich auf seinen Vorfahr Alfred Henschke, besser bekannt unter seinem Pseudonym Klabund. Klabund, geboren 1890 in Crossen an der Oder, war ein bekannter Schriftsteller vor allem zu Zeiten der Weimarer Republik. Er stand in regem Austausch mit Literaten wie Frank Wedekind, Hermann Hesse oder Else Lasker-Schüler. Zu seinen Freunden zählten unter anderem auch Ernst Bloch und Gottfried Benn, der im August 1928 seine Grabrede hielt. Klabund war in einem Davoser Sanatorium an Tuberkulose, an der er aufgrund einer verschleppten Lungenentzündung zeit seines Lebens zu leiden hatte, verstorben.

Klabunds Werk bedient sämtliche literarische Gattungen. Er machte sich sowohl als Romancier als auch als Dramatiker einen Namen. Deckert hob jedoch vor allem Klabunds lyrische Arbeiten hervor und verwies auf sein Gedicht „Die Harfenjule”, das er ausgedruckt verteilte. Klabunds Werke fanden durch den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki auch Eingang in die Frankfurter Anthologie.

Die anwesenden aktiven Ghibellinen und Alten Herren bedankten sich bei Hertmut Deckert für die Gestaltung des außergewöhnlich gelungenen Stammtischs. Der Altherrensohn lud daraufhin jeden interessierten Ghibellinen ein, sich seinen Garten einmal persönlich anzusehen und lobte ein Fass Bier für denjenigen Bundesbruder aus, der ihn bei der Realisierung einer Internetseite zu seinem Vorfahr Klabund unterstütze. Interessenten diesbezüglich waren schnell gefunden.