Weihnachtsfeierlichkeiten auf dem Ghibellinenhaus

Wie jedes Jahr in der Adventszeit versammelten sich auch dieses Jahr am 8.  Dezember wieder zahlreiche Ghibellinen auf unserem Haus zur Weihnachtskneipe. Munter wurde auch an diesem Tag wieder gesungen und gelacht, es herrschte gute Stimmung und der ein oder andere hatte die Gelegenheit, sich auch mit Bundesbrüdern, die er länger nicht gesehen hatte, bei einem kühlen Bier zu unterhalten.

Programmlicher Höhepunkt des Abends war diesmal die Festrede unseres Gastes Harald Kirchner. Als politischer Redakteur des SWR Fernsehens war dieser bestens geeignet für das Thema der Rede: „Regieren am Bürger vorbei – wie bürgernah ist die Politik in Deutschland?“ Eindrucksvoll machte er auf die Unterschiede in Politik und auch dem politischen Interesse in der Bevölkerung zwischen heute und früher aufmerksam. Tatsache sei, dass der Großteil der Wählerschaft sich immer mehr von den aktuellen Geschehnissen in der Politik distanziere.
Erkennbar wäre dies einerseits an den drastischen Rückgängen der Zeitungsabonnements in den letzten 10 Jahren, ebenso wie an den sinkenden Einschaltquoten von politischen Talkshows, andererseits jedoch im direkten Gespräch mit unserer baldigen Zukunft, den heutigen Studenten.
Ginge man auf diese zu, so meinte er, käme man durch gezieltes Fragen schnell zu dem Schluss, dass über 90% in ihrem Leben wohl nicht mehr als eine handvoll Zeitungsartikel gelesen haben können, und es stellt sich die Frage, ob nicht der Großteil derer, die angibt ihre Informationen „aus dem Internet“ zu beziehen, im besten Fall einmal die Woche auf der Startseite ihrer E-Mail-Homepage die Schlagzeilen liest – wenn überhaupt. Man könne ohne allzu große Bedenken behaupten, dass der durchschnittliche Arbeiter von vor 50 Jahren weitaus informierter über die politischen Geschehnisse seiner Zeit war, als der heutige Student, der doch vor allem als unsere Bildungselite die Zukunft und Politik von morgen gestalten soll. Doch wie kam es dazu?
Heute, so sagt Kirchner, reiche es wohl, einen mäßig sicheren Arbeitsplatz mit mittlerem Einkommen zu haben, um es sich leisten zu können, sich für Politik gänzlich nicht mehr zu interessieren. So habe ja aber auch die Tatsache, dass seit den Bundestagswahlen in diesem Herbst immer noch keine neue Regierung zustande gekommen ist, keinerlei Auswirkung auf den Alltag des einzelnen Wählers gehabt. Im Gegenteil mag es wohl so manchen geben, dem das noch nicht einmal aufgefallen sei.
Als Burschenschafter und Ghibelline sehe ich hierbei die Pflicht, dieser Bewegung des politischen Desinteresses entgegenzuwirken. Es soll gleichermaßen Appell sein an die Älteren, die Wichtigkeit von politischer Informationsund Meinungsfreiheit sowie das Bewusstsein über das Gewicht der eigenen Stimme an die jüngere Generation verstärkt weiterzugeben, als auch vor allem an die jüngeren Bundesbrüder, sich selbst an die Nase zu fassen und zu fragen: „Wie kann ich über etwas abstimmen, von dem ich keine Ahnung habe? Kann so Demokratie funktionieren? Was kann ich daran ändern?“.
Nach der Rede unseres Gastes ging es nun bald auch weiter mit der Vorstellung der neuen Füxe. Stolz konnte die Aktivitas einen Neuzuwachs von sieben Jungfüxen im Wintersemester vermelden, die auch sodann der Reihe nach vorgestellt und von unserem Altherrenvorstand, Bundesbruder Sterkel Z!, in der Ghibellinia willkommen geheißen wurden – ganz besonders an dieser Stelle natürlich auch unser jüngstes Mitglied Moritz Burr Z!, der an diesem Freitagabend im Convent aufgenommen werden und sein Fuxenband empfangen durfte.
Bundesbruder Sterkel Z! bot daraufhin allen neuen Füxen in seiner Ansprache erneut offiziell das bundesbrüderliche „Du“ an und betonte, dass dies nun der erste und wichtigste Schritt in den Lebensbund sei, den wir Ghibellinia nennen. Dies unterstrich er auch sogleich, indem er Bundesbruder Grünenwald Z! das 100-Semesterband umlegte, um seine 50-jährige Mitgliedschaft in unserem Lebensbund zu feiern, und zog noch einen Vergleich zwischen diesem doch sehr speziellen Lebensbund und der Ehe - immerhin sei man im Allgemeinen länger Ghibelline als verheiratet.

Als letztes Highlight des Abends sei noch die Fuxenmimik „Dinner for FM“ erwähnt, die von allen Bundesbrüdern heiter verfolgt wurde. So hatten die Füxe dieses Jahr das klassische und allseits bekannte „Dinner for One“ als Vorlage genommen und die verstorbenen Charaktere durch lebendige Bundesbrüder ersetzt. So fand man in der Mimik die Bundesbrüder Grosser I, Müller VI, Mades und Hobein wieder, die alle ihre individuellen Ausreden mitgebracht hatten, wieso sie gerade an diesem Abend einmal dem Alkohol entsagen müssten und deshalb den Fux, gespielt durch unseren jungen Bundesbruder Robin Beckert Z!, für sich substituieren ließen. Danach verklang der Abend bei wohligem Gespräch und auch der Mitternachtsschrei ließ sich diesmal nicht missen. Damit war das Wochenende eingeläutet, denn am nächsten Tag galt es, alle Vorbereitungen für das Weihnachtsfamilienfest abzuschließen und am Abend unsere Gäste zu empfangen.
Die Feierlichkeiten am Samstag begannen mit einem Sektempfang im Foyer des Ghibellinenhaus, der von angeregten Unterhaltungen aller Bundesbrüder, Bundesschwestern und Gäste begleitet wurde. Schon bald danach fanden sich alle im großen Saal ein. Nach der Begrüßung durch den Altherrenvorstand und die Vertretung des Sprechers der Aktivitas begann das Programm mit einem wunderbaren Klavierkonzert von Frau Alicja Oktabska. Nach dem Konzert bedankten sich die Bundesbrüder Sterkel Z! und Weidinger Z! mit Blumensträußen bei Frau Oktabska für ihre Darbietungen, bei Bundesschwester Valet für ihre Unterstützung ihres Ehemannes Valet Z!, dem stellvertretenden Vorstand der Altherrenschaft, bei der Freundin von Bbr. Weidinger Z!, Matilda, und bei Frau Ionescu, unserer Putzkraft im Ghibellinenhaus, für ihre Hilfe und Unterstützung.

In der nachfolgenden Rede bekannte unser Alte Herr Sterkel, wie begeistert er von der großen Aktivitas sei. Nicht nur habe sie bei der Vorbereitung des Festes sehr geholfen, sondern auch sonst werde bei der Ghibellinia viel von ihnen verlangt. In unserer Verbindung lebten wir das Prinzip “Fördern durch Fordern”, betonte er. Er sei stolz darauf, wie die aktuelle Aktivitas und auch die Jahrgänge davor stets über sich hinaus wuchsen, obwohl und vor allem weil so große Ansprüche an sie gestellt werden.
Wenig später eröffnete er dann das Buffet, welches bei allen Anwesenden hervorragend ankam. Als alle satt waren und der Saal im Gespräch versank, kam auch dieses Jahr wieder der Weihnachtsmann vorbei. Dieser stellte jeden Fux natürlich zunächst auf die Probe, ob er denn artig gewesen sei und fragte ihn alsdann knapp über seinen Lebenslauf und seine bisherigen Eindrücke in der Ghibellinia aus. Für alle anderen war dies natürlich eine tolle Gelegenheit, die neuen Mitglieder einmal ein bisschen näher kennenzulernen.
Danach verlief sich der Abend langsam. Die einen blieben im Saal und unterhielten sich weiter bei kühlen Getränken, die anderen schauten sich die Diashow mit den Bildern des vergangenen Jahres an. Fast jeder jedoch schaute im Laufe des Abends in unserer Kurt-Kress-Stube vorbei, um dort den ein oder anderen Gewinn aus der Fuxentombola einzufordern. Es freut die Füxe zu berichten, dass alle Lose restlos verkauft wurden und somit dank großzügiger Spenden aus der Altherrenschaft und dem Erlös aus der Tombola auch dieses Jahr wieder ein ansehnlicher Betrag an die Waiblinger Hilfe gespendet werden kann. Damit wünschen wir allen frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr!