Digitalisierung der Gesellschaft – Bitcoin, das Geld der Zukunft?

Auf welche Herausforderungen müssen sich deutsche Unternehmen im Zuge der Digitalisierung einstellen? Wo liegen die Schwachpunkte unserer Industrie im internationalen Vergleich? Welche Rolle spielen sogenannte Kryptowährungen wie  Bitcoin in diesem Zusammenhang? Diese und weitere Fragen warf am 22. November Claus-Peter Praeg, Themenbeauftragter für Finanzdienstleistungen beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, bei einem Burschenschaftlichen Abend auf dem Haus unserer Ghibellinia auf. Etliche Bundesbrüder sowie interessierte Gäste waren daher zu dem Vortragsabend gekommen. Praeg teilte seine Ausführungen in zwei Bereiche: Im ersten Teil ging er generell  auf die Digitalisierung der Gesellschaft ein. Teil zwei sollte sich anschließend mit der Thematik der Kryptowährungen beschäftigen. Ob Social Media, Industrie 4.0 oder Internet of Things – der digitale Aufbruch der vergangenen Jahre und Jahrzehnte bringt für unsere Gesellschaft neben immer neuen englischen Fachausdrücken auch immer wieder revolutionäre Technologien hervor, die Teil unseres alltäglichen Lebens werden. Was verstehen wir aber eigentlich unter Digitalisierung? Praeg erläuterte die geschichtliche Abfolge von den ersten digitalen Automatisierungsprozessen in den 50er und 60er Jahren über die Etablierung des Internets in den 90ern bis hin zum intelligenten Haus und dem autonomen Reisen, den Themen aktueller wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Debatten der Gegenwart.

 

Heute spricht man vom Internet of Everything Anwendungen wie digitale Knöpfe in der Wohnung, sogenannte Dash Buttons, die einem das Einkaufen erleichtern sollen; das sind virtuelle Kommunikationspartner wie Alexa von Amazon Echo; das sind Anwendungen mittels sogenannter Augmented Reality, die bei Spielen wie Pokemon Go oder bei Immobilien-Apps zum Einsatz kommen. Die Auswirkungen der Digitalisierung beziehen sich dabei auch auf den Finanzsektor. Speziell chinesische Firmen preschen hier voran. Was die Anzahl der Innovationen im Zuge der digitalen Revolution anlangt, so hat China mittlerweile den USA den Spitzenrang abgelaufen. Die größten Konzerne kommen zwar nach wie vor aus dem Silicon Valley der Vereinigten Staaten, doch China dringt scheinbar unaufhaltsam an die Spitze. Als Beispiel dient dabei die von dem Konzern Tencent entwickelte Plattform WeChat, mit der – ähnlich dem Mitteilungsdienst

Whatsapp – Kommunikation betrieben werden kann. Darüber hinaus bietet WeChat allerdings bereits eine Zahlungsinfrastruktur, die es dem Kunden ermöglicht, mit seinem Smartphone Finanztransaktionen überall auf der Welt zu tätigen. Ein Grund für die Zurückhaltung des Bankengewerbes, in diesem Bereich tätig zu werden, sieht Praeg darin, dass bislang mit den etablierten Unternehmen noch mit Abstand der meiste Umsatz generiert wird.
Nach seinem weit gefassten chronologischen und inhaltlichen Abriss über die fortschreitende Digitalisierung kam der Referent schließlich im zweiten Teil seiner Ausführungen auf die Kryptowährungen zu sprechen. Dem Bitcoin, der bekanntesten Kryptowährung, liegt eine Idee zugrunde, die der Japaner Satoshi Nakamoto in einem Arbeitspapier mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ im Jahre 2008 veröffentlichte. Die zugrundeliegende Überlegung bestand dabei darin, eine rein digitale Währung für Finanztransaktionen zu erschaffen, die einerseits Sicherheit garantiert und andererseits ohne hierarchische Institutionen auskommt, die regulierend eingreifen müssen. Damit soll garantiert werden, dass Banken oder Regierungen auf den Währungskurs keinen Einfluss nehmen. Der Bitcoin basiert dabei auf der sogenannten Blockchain-Technologie, die auch bei anderweitig gelagerten Problemstellungen Anwendung findet.

Im Laufe der Jahre hat sich der Wert der Währung Bitcoin im Vergleich zum US-Dollar enorm vervielfacht. Der Wechselkurs bewegte sich  anfangs im einstelligen Bereich. Ein Bitcoin war demnach für weniger als 10 US-Dollar zu haben. Der heutige Wechselkurs von fast 12.000 USDollar für einen Bitcoin (Stand: 05.12.2017) hat dazu geführt, dass kaum noch mit der Währung bezahlt wird. Die hohe Volatilität des Kurses über die Jahre ist zudem ein Indikator für das hohe Risiko geworden, das im Zusammenhang mit der Kryptowährung eingegangen wird. Ähnlich wie die Goldgräber vor 150 Jahren springen heutzutage Bitcoin-Schürfer auf den Zug des digitalen Währungsbooms auf. Hinter dem sogenannten Bitcoin-Mining verbirgt sich dabei die Bereitstellung digitaler Infrastruktur zur Berechnung von mathematischen Problemen. Auf diese Weise findet über den ganzen Globus verteilt eine dezentrale Geldschöpfung statt. Die Nutzer werden für ihre Dienste mit Bitcoin-Anteilen belohnt. Im Zuge des Schürfens sind auf diese Weise ganze Server-Farmen entstanden – Firmen, die nichts anderes machen, als mathematische Probleme mittels Computern lösen zu lassen. Der Energiebedarf solcher Unternehmen übersteigt bisweilen den einer Kleinstadt. Es stellt sich die Frage, wie lange dieses Geschäftsmodell bei steigenden Energiepreisen zukünftig noch rentabel betrieben werden kann.
Zum Ende seines Vortrags erläuterte Praeg noch die den Kryptowährungen zugrundeliegende Technologie der Blockchains und fasst die Vorteile der Blockchain-Technologie folgendermaßen zusammen: Die mittels Bitcoin überwiesenen Gelder basieren auf einem Prinzip verteilter Konsensbildung. Da die zentrale Instanz einer Zentralbank fehlt, bildet sich ein Vertrauensverhältnis über die gesamte Gemeinschaft des Netzwerks aus. Die Transfers werden ferner für jedermann nachvollziehbar und die Protokolle der Finanztransfers sind irreversibel und sicher. Man spricht daher von Daten- und Prozessintegrität. Außerdem findet basierend auf Transparenz und Konsens eine Abbildung und Übertragung von Werten und Rechten statt, was dazu geführt hat, im Zusammenhang mit der Blockchain-Technologie von einem Internet der Werte zu sprechen. Die Anwendbarkeit der Technologie ist, wie schon erwähnt, nicht auf Kryptowährungen beschränkt. Sie kommt mittlerweile auch in Branchen wie der Finanzdienstleistung, den Medien, der Medizintechnik, dem öffentlichen oder auch dem juristischen Sektor zum Tragen.
Werden wir in der Zukunft nur noch mit Kryptowährungen arbeiten? Das kann sich Claus-Peter Praeg in absehbarer Zeit nicht vorstellen. Das Finanzsystem wird sich allerdings nach wie vor verändern. Und es bleibt abzuwarten wie sich der Bitcoin oder andere Kryptowährungen parallel zum traditionellen Währungssystem entwickeln. Es gibt beispielsweise heutzutage schon Start-ups, die auf den Boom der Kryptowährungen setzen und Anteile an ihren Unternehmen in Bitcoins ausgeben. Insofern macht die digitale Währung wohl künftig auch den Aktien an der Börse als Spekulationsobjekt Konkurrenz. Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag ist eine gekürzte Version des eingereichten Berichts. Die ungekürzte Fassung wird ebenfalls in der kommenden Ausgabe der Waiblinger Zeitung erscheinen.