Ein Praktikum im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Im Torrey Pines State Park bei San Diego blast mir der Abendwind durch die Haare.
Im Torrey Pines State Park bei San Diego blast mir der Abendwind durch die Haare.

Dass Auslandserfahrung wichtig sei, bekommt man besonders bei der Jobsuche oft zu hören. Wenn man noch nie im Ausland gelebt hat, nimmt man diese These fasziniert auf, kann sich aber selten genau etwas darunter vorstellen. Eine pauschale Antwort, warum man ins Ausland gehen sollte, gibt es glücklicherweise auch nicht. Jeden prägt das Ausland auf eine andere Art. Fakt ist, dass man im Ausland viele Erfahrungen macht, sich verändert und – nicht zu vergessen – jede Menge Spaß hat.
Durch ein halbes Jahr Praktikum in den Vereinigten Staaten habe auch ich mich entwickelt. Diese Erfahrungen möchte ich gerne weiter geben und habe mich entschlossen einen persönlichen Reisebericht zu verfassen.

Nachdem ich eine Zusage für ein Praktikum bei Freightliner Trucks, einem großen LKW Hersteller in den USA, hatte, begann der Behördenlauf für mich. Man kann sich gar nicht vorstellen an was man alles denken muss, bis man einen Termin beim US-Konsulat erhält. Ein amerikanisches non-profit Unternehmen hat mir dabei geholfen, sodass ich reibungslos mein Praktikanten-Visum erhalten habe.

Portland, eine Stadt mit 600.000 Einwohnern, sollte nun, für das nächste halbe Jahr, mein neues Zuhause werden. Portland liegt im Nordwesten der USA im Bundesstaat Oregon. Die Fahrradfreundlichkeit, trotz vieler Regentage, und die weit verbreitete Hipster-Szene prägen das Stadtbild. Der Sportartikelhersteller Nike und Freightliner sind in Portland die wichtigsten Arbeitgeber.

Die Hipsters in Portland haben immer neue Ideen Portland einzigartig zu halten.
Die Hipsters in Portland haben immer neue Ideen Portland einzigartig zu halten.

An meinem ersten Arbeitstag wurde ich von meinem Chef an der Pforte abgeholt und wir fuhren stilecht amerikanisch in einem riesigen Pickup Truck, selbstverständlich ein V8, zu einem Nebengebäude, dem Versuchs Zentrum, in dem ich als Testingenieur meine Arbeit antreten durfte. Die ersten Wochen waren gigantisch, ich wurde allen Kollegen vorgestellt und war auch sonst überall dabei wo es in der Firma etwas zu erleben gab. Mein Englisch verbesserte sich dabei rasant und ich schloss mit vielen anderen Praktikanten Freundschaft.

Nach der Zeit des Hochs, folgte leider auch die Ernüchterung. Manche sprachliche Barrieren und die ungewohnte amerikanische Arbeitsweise machten die folgenden Wochen zäh und anstrengend. Das Sprichwort

„Wenn du etwas nicht ändern kannst, dann ändere deine Einstellung dazu“

half mir am Ende wieder Spaß an meiner Arbeit zu finden und ich trat mit neuer Motivation den Aufgaben entgegen. Die Integration bei den Kollegen ist mir schließlich gelungen. Absolutes Highlight meines Praktikums war ein Wintertest am kältesten Ort Amerikas und das bei einem Winter in dem Amerika von Schneestürmen und Kältewellen nur so heimgesucht wurde. Mit dem Truck über Schnee und Eis mitten im Nichts – Amerika von einer ganz anderen aber faszinierenden Seite!

Wanderausflüge mit den anderen Praktikanten, wie hier am Eagle Creek, sind eine gute Abwechslung zum Arbeitsalltag.
Wanderausflüge mit den anderen Praktikanten, wie hier am Eagle Creek, sind eine gute Abwechslung zum Arbeitsalltag.

Neben dem Praktikum war es mir auch wichtig viel von der amerikanischen Kultur und Landschaft zu erleben. So nutzte ich die Wochenenden gerne für kleinere Ausflüge in Oregon und entlang der Westküste Nordamerikas.

Ein besonderes Erlebnis war es, meinen Braunschweiger Bundesbruder Finn in Vancouver zu treffen. Er machte im gleichen Zeitraum wie ich sein Praktikum in Kanada. Die Freundschaften, die ich durch die Ghibellinia geknüpft habe, sind für mich etwas ganz besonderes, so dass ich sie auch über die kontinentalen Grenzen hinweg gerne pflege.

Die Bergstation des Skigebiets in Whistler, Kanada. 2010 fanden hier die Olympischen Winterspiele statt.
Die Bergstation des Skigebiets in Whistler, Kanada. 2010 fanden hier die Olympischen Winterspiele statt.

Alles in Allem hatte ich in den USA eine fantastische Zeit, an die ich mich sehr gerne erinnere. Bei jedem der mir geholfen hat dieses halbe Jahr zu erleben und jedem der mich während der Zeit begleitet hat bedanke ich mich herzlich.

Jedem, der auch gerne eine Zeit in einer anderen Kultur verbringen möchte, spreche ich allen Mut zu und wünsche ihm bei seinem Vorhaben alles Gute.

Thilo Häussermann