Erklärung gegen den Krieg in der Ukraine

Erklärung gegen den Krieg in der Ukraine

Als sich vor 160 Jahren, am 1. Mai 1862, drei Studenten des Polytechnikums Stuttgart, aus der sich später die Universität entwickelte, zusammenfanden und die Burschenschaft Ghibellinia gründeten, orientieren sie sich an den Werten der Urburschenschaft aus dem Jahre 1815. Damals vereinigten sich Studenten um sich gegen die Unterdrückungspolitik Napoleons zur Wehr zu setzen. Damals standen die Forderungen nach persönlicher Freiheit, Pressefreiheit und Demokratie auf den Fahnen der mutigen Studenten. Seit ihrer Gründung setzt sich die Burschenschaft Ghibellinia für die Freiheit und gegen Unterdrückung ein. Dieser Punkt ist ein zentrales Element der Grundsätze und des Leitbildes der Gemeinschaft.

Aus dieser Tradition heraus schauen wir heute fassungslos in die Ukraine. Russland hat ohne Anlass seinen friedlichen Nachbarn angegriffen und das Land mit Angst, Terror und Tod überzogen. Dieser Einmarsch stellt einen Verstoß gegen das Völkerrecht und das Recht auf Selbstbestimmung der Ukraine dar. Dieser Krieg bringt schreckliches Leid über die Bevölkerung und muss als Durchsetzung der politischen Ziele Russlands auf das schärfste Maß geächtet werden.

Dieser Angriff auf ein friedliches Land mitten in Europa ist nicht nur ein Angriff auf die europäische, sondern auch die internationale Friedensordnung. In der heutigen Zeit sollte es selbstverständlich sein, dass die Achtung der Souveränität der Staaten und die kulturelle Eigenständigkeit von Regionen eine wichtige Basis der Völkerverständigung und des Weltfriedens darstellen.

Die Burschenschaft Ghibellinia fordert die Regierung der Bundesrepublik Deutschland und die Verantwortlichen in der Europäischen Gemeinschaft auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Angriffe Russlands zu stoppen. Alle Beteiligten müssen zurück an den Verhandlungstisch, alle diplomatischen Mittel müssen eingesetzt werden, um zu einer tragfähigen friedlichen Lösung und zur schnellstmöglichen Beendigung des Krieges zu kommen. Auch muss im Zuge von Gesprächen und Verhandlungen darauf hingewiesen werden, dass die ukrainische Regierung durch die Abgabe ihrer noch aus Sowjetzeit stammenden Nuklearwaffen 1994 im Budapester Abkommen ihren Willen zur friedlichen Entwicklung in der europäischen Völkergemeinschaft deutlich bewiesen hat.

Die Burschenschaft Ghibellinia ist sich in der aktuellen Lage ihrer Verantwortung bewusst und wird nach ihren Möglichkeiten helfen. Unsere Bundesbrüder, die in ganz Deutschland verteilt wohnen, nehmen an dezentralen Spenden- und Hilfsaktionen für die Ukraine teil. Über eine private Stuttgarter Hilfsorganisation stellen wir auch einige freistehende Zimmer auf unserem Verbindungshaus Flüchtlingen zur Verfügung, sofern Bedarf dafür besteht.