In Japan sind wir katastrophenerprobt

Im fernen Japan ist beruflich seit über einem Jahr unser Bundesbruder Thomas  zuhause. Ich habe mit ihm am Donnerstagnachmittag folgendes Telefoninterview geführt.

Hallo Thomas wie geht es Dir und Deiner Freundin Svenja, alles in Ordnung bei Euch?

Ja danke der Nachfrage. Uns geht es gut, ich bin ja für Bosch hier in Japan und arbeite nun seit einer Woche konstant im Homeoffice, Svenja ist für ein französisches Unternehmen hier und auch Sie hat nun ihren Arbeitsplatz zuhause. Wir haben es uns gemütlich eingerichtet und kommen gut zurecht.

Wie ist die allgemeine Coronalage in Japan?

Bisher wurde das Thema sehr entspannt gesehen. Es gab sehr wenig offizielle Corona-Ansteckungern, aber klar ist, dass dies vor allem daher kommt da sehr wenig getestet wurde. Die Regierung und die Verantwortlichen haben die Sache heruntergespielt, man wollte die Durchführung der Olympiade  sowie die Wirtschaftsbeziehungen mit China nicht gefährden. Der Druck wurde aber nun doch so hoch, vor allem von internationaler Seite, dass die Spiele nun um ein Jahr verschoben wurden und die Regierung reagiert hat.

Wie sieht die Reaktion der Regierung aus?

Für die Präfektur Tokio, wir wohnen eben dort in der Stadt Shibuya, und auch andere Ballungszentren wurde der Notstand ausgerufen.

Wie zeigt sich das im alltäglichen Leben?

Die Einschränkungen sind nicht so gravierend wie bei Euch in Europa. Rund 80 % der Geschäfte sind freiwillig geschlossen, Restaurants sind mit kürzeren Öffnungszeiten geöffnet. Für die Bewegungsfreiheit gibt es im Moment noch keine Einschränkungen. Das Foto zeigt die bei Touristen beliebte Kreuzung in Shibuya, die sonst nachmittags in wenigen Sekunden aber hunderte Passanten überqueren. Die Japaner sehen die Situation ziemlich entspannt. Die Bevölkerung und das Land sind Katastrophen gewohnt, vor allem durch die vielen Erdbeben.

Habt Ihr schon einmal ein Erdbeben erlebt?

Oh ja, schon einige, natürlich nur kleine, und davon gibt es sehr viele. Oft bekommt man das gar nicht so mit, aber es kann schon sein, wenn man im Bett liegt das es auf einmal rumpelt und die Fensterscheiben klirren. Das geht dann so 3 bis 5 Sekunden.

Gibt es noch Flüge nach Deutschland, wie ist die Betreuung durch die deutsche Botschaft?

Es sind einige Flüge eingestellt worden, aber im Moment gibt es pro Woche noch 7 bis 8 Flüge von Tokio nach Deutschland. Die Betreuung durch die Botschaft ist gut. Gleich zu Beginn unseres Aufenthalts haben wir uns, wie die anderen Deutschen auch, in Elefand, die Krisenvorsorgeliste der Botschaft eingetragen.  Das ist unabhängig von Corona, vor allem wegen der Erdbeben. Die Botschaft will wissen, welche Landsleute sind in Japan und wo halten sie sich auf.

Über diese Liste werden wir laufend informiert und es wird uns auch mitgeteilt, wie wir uns zu verhalten haben.

Ich habe gehört, Du hast sogar per Telefon am Dienstagabend am Convent teilgenommen.

Ja durch die 7 Stunden Zeitverschiebung bin ich um 2 Uhr nachts aufgestanden und habe bis 5 Uhr morgens am Convent teilgenommen. Das Homeoffice macht es möglich, dass ich mich dann noch einmal aufs Ohr gelegt habe.

Liebe Svenja lieber Thomas wir wünschen Euch im fernen Japan ein frohes Osterfest, noch eine gute Zeit und bleibt gesund.

Das wünschen wir zurück und freuen uns auf ein gesundes Wiedersehen bei unserer Ghibellinia.

Hubert Grosser

Veröffentlicht über

  • unser Ghibellinen Telegramm Ausgabe 07/2020
  • den Social Media Kanal der Uni Stuttgart

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Überall auf der Welt bestimmt Corona zur Zeit das Leben der Menschen. Wir haben Alumni der #UniStuttgart im Ausland gebeten, uns ihre Eindrücke zu schildern. Heute teilt Thomas, der Fahrzeug-und Motorentechnik studiert hat, seine Erfahrung aus Japan mit uns. Vielen Dank nach Tokio! „Mit dem Anlegen des Kreuzfahrtschiffes Diamond Princess Mitte Februar kam das erste Aufschrecken, jedoch wurde die Lage nicht allzu ernst eingestuft. Es gab wenig offizielle Ansteckungen dadurch, dass sehr wenig getestet wurde. Die Regierung und die Verantwortlichen haben die Sache heruntergespielt, man wollte die Durchführung der Olympiade sowie die Wirtschaftsbeziehungen mit China nicht gefährden. Der Druck wurde aber nun doch so hoch, vor allem von internationaler Seite, dass die Spiele um ein Jahr verschoben wurden.Für die Präfektur Tokio und auch andere Ballungszentren wurde letzte Woche der Notstand ausgerufen. Die Einschränkungen sind momentan noch nicht so gravierend wie bei Euch in Europa. Rund 80 % der Geschäfte sind freiwillig geschlossen und Restaurants haben verkürzte Öffnungszeiten. Für die Bewegungsfreiheit gibt es aber noch keine Einschränkungen. Das Foto zeigt die bei Touristen beliebte Kreuzung in Shibuya, die sonst nachmittags in wenigen Sekunden aber hunderte Passanten die Kreuzung überqueren. Die Japaner nehmen die Situation ernst, agieren aber recht entspannt. Die Bevölkerung und das Land sind Katastrophen gewohnt, vor allem durch die vielen Erdbeben und Taifune. Im Moment gibt es pro Woche noch 5 bis 7 kommerzielle Flüge von Japan nach Deutschland. Die Betreuung durch die Botschaft ist gut. Gleich zu Beginn meines Aufenthalts habe ich mich, wie die anderen Deutschen auch, in Elefand, die Krisenvorsorgeliste der Botschaft, eingetragen. Über diese Liste werde ich laufend informiert und es wird mir auch mitgeteilt, wie ich mich zu verhalten habe.“ #corona #coronavirus #covid_19 #alumni #universityofstuttgartinternational #universityofstuttgart #tokio

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