Wie ich Ghibelline wurde

PhilAls ich das Studium zum Wintersemester 13/14 in Stuttgart angefangen habe, hatte ich Glück, dass mich ein Freund für die ersten 2 Monate bei sich in Ludwigsburg wohnen ließ. Ich habe ihm versprochen, dass ich direkt an meinem 18. Geburtstag ausziehe und er seine Wohnung für sich und seine Freundin allein hat.

Sehr direkt bin ich auf die Zimmeranzeige in der Birkenwaldstraße gestoßen – 400m entfernt von meinem Studienstandort. Natürlich war ich erst einmal skeptisch, was es mit der Burschenschaft auf sich hat. Ich habe mir in den Wochen vor meinem Besichtigungstermin so viele Meinungen eingeholt wie ich konnte, die eigentlich alle einen ähnlichen Inhalt hatten. Mir wurde gesagt, ich solle vorsichtig sein, Kontakt habe man mit einer Verbindung jedoch noch nie selbst gehabt – bis auf die Negativpresse in den Medien. Diese habe ich mir im Vorfeld natürlich auch durchgelesen. Nichtsdestotrotz habe ich den Besichtigungstermin wahrgenommen, an dem ich vom Hauswart Thomas empfangen wurde und eine Zimmer-/Hausführung von ihm bekommen habe. Das Haus an sich hat mir sehr gefallen, die Bewohner waren mir ebenfalls sympathisch.

Aufgrund folgender drei Kriterien habe ich mich dafür entschieden, auf das Haus zu ziehen. Erstens habe ich den Entschluss gefasst, mir selbst Erfahrungen aus erster Hand zum Thema Verbindungen holen zu wollen und nicht auf die Medien oder schon dreifach verwaschene Mundpropaganda angewiesen zu sein. Zweiter Grund ist der Fakt, dass man mir erklärt hatte, dass es Bewegung bei den Burschenschaften in Deutschland gibt. Die Ghibellinia selbst ist 2013 aus dem Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ – von der man so viele schlechte Schlagezeilen in den Medien liest – ausgetreten, da man sich distanzieren will. Der abschließende und entscheidende Punkt war die mir nahegelegte Zwanglosigkeit, mit der man nach 6 Monaten wieder ausziehen kann, wenn es einem nicht gefällt.

in einer netten und funktionierenden Gemeinschaft

Sobald ich am 1. Dezember auf dem Haus angekommen war, hatte ich schon am ersten Tag das Gefühl, in einer netten und funktionierenden Gemeinschaft angekommen zu sein, ob es nun Aktive der Ghibellinia oder Hausgäste waren, mit denen man an zahlreichen Veranstaltungen wie dem Weihnachtsfamilien- oder Stiftungsfest in feierlichem Rahmen zu tun hat. Wenige Monate später habe ich mich dafür entschieden, ebenfalls das Bundesleben aktiv mitzugestalten und Teil der Burschenschaft Ghibellinia zu werden und Verantwortung zu übernehmen sowie mich selbst dadurch sozial weiterzubilden. Weiterhin habe ich das Gefühl, dass diese Verantwortung mich definitiv zu einem organisierterem Menschen gemacht hat. Seit dem ersten Tag habe ich gemerkt: wenn man sich für die Gemeinschaft engagiert, engagiert sich die Gemeinschaft für einen. Und dieses Gefühl habe ich bis heute nicht verloren. Deswegen bin ich heute der Hauswart, der die Interessenten empfängt und ihnen Zimmerführungen gibt.

Philipp Schmitt